Russland - das bewegte Land

Das Land, das mit 17 Millionen Quadratkilometern und rund 150 Millionen Menschen zu den größten der Welt zählt und nach Deutschland die zweitgrößte Wirtschaft in Europa und die sechsgrößte der Welt hat, ist Russland - nach paritätischer Kaufkraft (PPP). Mit seinen Energie- und Mineralressourcen gehört Russland zu den führenden Herstellern und Exporteuren von zahlreichen Industriegütern und Rohstoffen, wie z. B. Gas. Auch wenn in 2012 deutlich weniger Gas aus Russland exportiert wurde, waren es in 2011 immerhin rund 197 Milliarden Kubikmeter. Größter Abnehmer ist dabei Deutschland. „Wegen der Krise in Europa und der Wiederherstellung der Gaslieferungen aus Libyen werden wir einen Rückgang von vier bis fünf Prozent verzeichnen“, sagte der Agentur Ria Nowosti zufolge der russische Energieminister Alexander Nowak kürzlich in Moskau.

Basilius-Kathedrale mit ihren Zwiebeltürmen

Wird heute als Museum genutzt: die Basilius-Kathedrale mit ihren Zwiebeltürmen. Neun verschiedene Kirchen drängen sich auf dem kreuzförmigen Grundriss

Moskau, Roter Platz. Die russische Hauptstadt hat ihr Winterkleid angezogen, es sind nahezu Minus 15 Grad, klares Wetter, Sonnenschein. Wir treffen uns mit Vladimir Voronov, dem Leiter der MWM-Vertretung für Russland und angrenzende Regionen. Die Vertretung wurde im Mai 2011 gegründet, dort sind drei Mitarbeiter beschäftigt. „MWM selbst ist aber schon seit mehr als zehn Jahren in Russland aktiv“, ergänzt Voronov, der vor MWM bereits in verantwortlicher Position bei bekannten Unternehmen im Bereich Gasmaschinen und Anlagen gearbeitet hat. „Wir haben unser Büro direkt im Zentrum von Moskau im „House of German Economy“, in dem eine ganze Reihe deutscher Unternehmen ansässig sind. In diesem Stadtteil konzentrieren sich Vertretungen von führenden russischen und westeuropäischen Firmen, darunter beispielsweise deutsche Unternehmen wie die Commerzbank und BASF.

Lösungen für Gewächshäuser gewinnen an Bedeutung

Wir gehen ein Stück den Roten Platz entlang, vorbei am Lenin Mausoleum, vorbei an den großen, zusammengeräumten Schneehaufen, die fast so groß wie Iglus sind. Wie der Markt in Russland aussieht und welche Anwendungen derzeit gefragt sind, wollen wir von Voronov wissen. „Wichtige Zielanwendungen neben Öl- und Gasanwendungen sind vor allem Gewächshausanwendungen. Marktanteile von mehr als 50 Prozent in den Jahren 2011 und 2012 sind dabei zu verzeichnen. Vor dieser Zeit machten diese Projekte nur einen marginalen Anteil aus, was seine Gründe hat,“ erklärt uns Voronov.

Lässt die Herzen vieler Besucher Moskaus höher schlagen: das riesige, rote Museumsgebäude am Beginn des Roten Platzes

Lässt die Herzen vieler Besucher Moskaus höher schlagen: das riesige, rote Museumsgebäude am Beginn des Roten Platzes

In der Tat muss Russland rund 60% seines Obst- und Gemüsekonsums mit Lieferungen aus dem Ausland decken. Geerntet wurden 2011 lediglich 12  bis 13 Mio. t. Davon entfallen 70% auf Privatleute, rund 19% auf große Landwirtschaftsbetriebe und 11% auf private Bauern. Dabei sind die Länder der Europäischen Union die wichtigsten Lieferanten, allen voran die Niederlande. Mehr noch: Im Augenblick nehmen russische Firmen und Regierungsstellen sogar eine Verdrängung russischer Produkte durch Importwaren wahr. Schuld an der Misere tragen unter anderem die komplizierten und langkettigen Vertriebsmodelle: Eine ganze Reihe von Zwischenhändlern verdient mit und treibt die Preise in die Höhe. Russlands Landwirtschaftsministerium steuert inzwischen gegen und subventioniert Treibhäuser. In einigen Regionen entstehen bereits neue Projekte.

Um die Margen der Zwischenhändler zu knacken, will beispielsweise die Einzelhandelskette Magnit mit mehr als 5.700 Geschäften (SAO Tander) künftig eigenständig und das ganze Jahr über Gemüse anbauen. Im Kreis Slawjansk in der Region Krasnodar plant der Handelsgigant einen 200 Hektar großen Gewächshauskomplex (Kostenpunkt: 10 Mrd. Rubel, rund 250 Mio. Euro). Die Kapazitäten sollen bei 67.000 t Gemüse im Jahr liegen - ein wahres Megaprojekt.

Energieerzeugung in Russland

Wir wollen wissen, welche regionalen Besonderheiten von Bedeutung sind und welche Grundsteine in der Geschichte der Stromerzeugung es in Russland gibt. Voronov lächelt, bevor er uns darüber aufklärt: „In der Vergangenheit wurde der Großteil der nationalen Stromerzeugung immer durch Kernkraft-, Wasserkraft- und mit Wärmekraftanlagen über das zentrale Versorgungsnetz bereitgestellt, wobei die Wärmekraftanlagen mit Gas und Kohle betrieben wurden.“  Weiter führt Voronov aus, dass es durch die Zentralisierung des Verteilungssystems für Elektrizität und Wärme vor 2000 praktisch keine lokale und verteilte Stromerzeugung gab, mit Ausnahme von Anlagen in sehr weit entfernten Regionen oder für kritische Einrichtungen, wie Militär, Weltraumforschung und Bergbau.

Es hat inzwischen wieder angefangen zu schneien. Wir gehen mit Vladimir Voronov ein Stück am Fluss Moskwa entlang, Richtung Innenstadt. „Weitere wichtige Zielanwendungen sind für uns heute Fernwärme Anwendungen, hier sind mehrere Projekte gestartet, darunter das größte in Russland mit 24 MW. Nicht zu vergessen natürlich industrielle Anwendungen, wie beispielsweise Baustoffe, Metallurgie und Nahrungsmittelverarbeitung,“ führt Voronov weiter aus.

Blick auf den Kreml von der anderen Uferseite des Flusses Moskwa

Blick auf den Kreml von der anderen Uferseite des Flusses Moskwa

Als wichtige Regionen für sein Geschäft zählt Voronov den Nordwesten des Landes auf, also dem Gebiet in der Nähe von St. Petersburg, außerdem den Süden (in der Nähe von Rostow-Krasnodar) und natürlich Tartarstan, die sich am schnellsten entwickelnde Region Russlands. „Derzeit haben wir dort einen Marktanteil von mehr als 90% mit rund 60 MW Kapazität,“ berichtet er weiter. Dazu kommen Ural sowie Region Tyumen und schließlich Sibirien.

Schließlich wollen wir von Voronov wissen, wie sich die Wirtschaft Russlands entwickeln wird und wie die Chancen im MWM-Geschäft einzuschätzen sind. Bevor uns Voronov die Antwort dazu gibt, betreten wir das Teehaus Perlow in der Mysnitskay Straße und nehmen an einem der freien, runden Tische Platz. „Russlands Wirtschaft wird 2013 voraussichtlich weniger dynamisch wachsen als 2011. Großveranstaltungen wie die Fußball WM 2018 und die Entwicklungsprogramme in vielen Branchen bieten trotzdem gute Geschäftschancen. Die Vorbereitungen für die Fußball-WM in Russland dürften mindestens 15 Mrd. Euro kosten. Das Geld fließt zu 40% in den Stadionbau, in Trainingsplätze und in die Unterkünfte der Mannschaften,“ erklärt Voronov uns. Der Rest werde gebraucht, um die Verkehrsinfrastruktur, Flughäfen, Hotels und die Logistik vor Ort auf den neuesten Stand zu bringen.

Außerdem will Russland bis 2020 mehr als 11 Gigawatt Kraftwerksleistung auf Basis erneuerbarer Energiequellen schaffen. Die Kosten dafür dürften sich auf 25 Mrd. Euro belaufen. In Mordowien beispielsweise entsteht derzeit Russlands bislang größte Biogasanlage, Windkrafträder sollen abgelegene Ortschaften im Fernen Osten Russlands und in Sibirien mit Strom versorgen.

Zahlreiche Handelsstände für Touristen mit ihren unzähligen Matrjoschkas säumen den Weg zum Auferstehungstor

Zahlreiche Handelsstände für Touristen mit ihren unzähligen Matrjoschkas säumen den Weg zum Auferstehungstor

MWM Gasmotoren für das größte Gewächshaus Russlands

Eines der bedeutsamsten Projekte, die in 2012 abgewickelt wurden, war die Greenhouse-Anwendung Maiski. „Es handelt sich dabei um eine große Energieanlage mit sechs TCG 2032, insgesamt 24 MW für das größte Gewächshaus in Russland. Strom und Wärmeenergie aus Gewächshausanwendungen werden mit 20 Prozent Rabatt auf regulierte Tarife verkauft“ berichtet Voronov. Angesiedelt ist das Objekt in Kazan, Provinz Tatarstan.

„Für MWM in Russland betrug das Auftragsvolumen allein in 2011 rund 160 MW – und damit mehr als vor 2010 überhaupt verkauft wurde. Aktuell sind Aufträge für 24 TCG 2032  und weitere 30 für TCG 2020 eingegangen,“ berichtet Voronov uns über die aktuelle Lage. Dabei kommen mehr als 50% der Bestellungen von IPP-Unternehmen und EPCM-Auftraggebern (Engineering-Procurement-Construction-Management). „Für die nächsten fünf bis sieben Jahre erwarten wir ein zweistelliges Wachstum“, schließt Voronov seine Ausführungen. „Vsjo horoschó, chto horoschó koncháetsya“ -  alles ist gut, was gut endet.

Ausgewählte Referenzprojekte:

  • Mona, vier TCG 2020 V20, Hotel und Geschäftszentrum in Moskau
  • Moskau City, zwei TCG 2020 V12, Stromversorgung des neu erbauten Moskauer Geschäftsbezirks
  • Mayskiy, sechs TCG 2032 V16, das größte Gewächshaus in Russland
  • Dzhalil, zwei TCG 2016 V16, erstes Fernwärmeprojekt Tatarstan
  • Prokhorowka, Region Belgorod, zwei TCG 2020 V12, erstes agroindustrielles Kraftwerk in Russland
  • Tander, Krasnodar, vier TCG 2032 V16, erste komplette Gewächshaus-Stromversorgungsanlage von MWM in Russland. komplette Konstruktion, Start im Jahr 2012
  • Vyborzhets, St. Petersburg, drei TCG  2032 V16, der weltweit größten Gewächshaus-Stromversorgungsanlage, Start im Jahr 2012
Vladimir Voronov

Name: Vladimir Voronow
Position: Leiter der MWM-Vertretung für Russland und angrenzende Regionen
Erfahrung: Seit 2001 in russischer Energieerzeugung tätig; verantwortlicher Projektmanager für den Bau eines der ersten Gaskraftwerke in Russland (2002-2003), verschiedene Stationen bei bekannten Unternehmen
Abschluss: Absolvent der Odessa State Maritime Academy; MBA in International Executive Management an der Stockholm School of Economics
Bei MWM seit: 2010

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