100 JAHRE MARKE MWM

1990

Großauftrag: MWM BHKW für das Klärwerk Köln-Stammheim

MWM-BHKW-Anlage-vor-Montage-Schallhauben

Motorbetrieb mit drei verschiedenen Brennstoffen und eine Schallmessung mit Tücken

Integriertes-EnergieversorgungskonzeptEin besonderer MWM Moment von Heinrich Baas

Motoren von MWM erbringen ihren Beitrag nicht nur zum Funktionieren einer Vielfalt technischer Anwendungen im Bereich Maschinenbau. Sie leisten auch konkrete Maßnahmen zum Umweltschutz durch Energieeinsparung und die flexible Nutzbarkeit für unterschiedliche Brennstoffe und Energiearten – und das schon seit längerer Zeit. Der nachfolgende Bericht von Heinrich Baas zur Entstehung eines BHKW (Blockheizkraftwerk) für das Großklärwerk Köln-Stammheim belegt das eindrucksvoll:

Zunächst zur Vorgeschichte dieses außerordentlichen Projekts: Die gestiegenen Anforderungen an die öffentliche Abwasserreinigung veranlasste Ende der 1980er Jahre die Stadt Köln, das Großklärwerk Köln-Stammheim auszubauen. Durch die gesteigerte Reinigungsleistung der Kläranlage erhöhte sich der Energiebedarf wesentlich. Ein integriertes Energieversorgungskonzept wurde ausgearbeitet, um eine wirtschaftliche und unterbrechungsfreie Energieversorgung abzusichern, in dessen Mittelpunkt ein BHKW stand.

MWM-BHKW-Anlage-vor-Montage-Schallhauben

MWM wurde mit der Lieferung des BHKW beauftragt. Es bestand aus 4 Diesel-Gasmotoren-Aggregaten des Typs TBDG 441 V16, die den elektrischen Leistungsbedarf zu 70% und den thermischen Energiebedarf des Klärwerks zu 100% abdeckten.

Die Besonderheit der Anlage bestand darin, dass die Motoren mit drei verschiedenen Brennstoffen betrieben werden konnten: mit Klärgas, Erdgas und Dieselkraftstoff. Vorwiegender Betrieb ist der mit dem anfallenden Klärgas. Ist zu wenig Klärgas vorhanden, laufen einzelne Motor-Aggregate mit Erdgas. Der reine Dieselbetrieb der Motoren ermöglicht auch bei Klärgas- und Stromausfall die sichere Energieversorgung des Klärwerks.

Die ganzjährige Beheizung der Faultürme erfolgt durch die Abwärme aus Schmieröl, Kühlwasser und Abgas. Bei Bedarf werden damit auch die Gebäude des Klärwerks beheizt. Die Motor-Aggregate haben je eine Generatorleistung von 1584 kW und eine Wärmeleistung von 1713 kW.

Vorteile brachte die Technik der MWM Motoren auch im ökologischen Bereich. Bei der Planung des BHKWs wurde nämlich größter Wert auf Umweltverträglichkeit bezüglich Abgas-Emissionen und Lärmbelästigung durch die Anlage gelegt. Deshalb erhielt jeder Motor im Abgasstrang eine Katalysatorkombination aus SCR- und Oxidationskatalysator. Die Abgasemissionen an Stickoxiden (NOx) und Kohlenmonoxid (CO) konnten auf diese Weise weit unter die strengen Grenzwerte der damaligen TA-Luft (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) reduziert werden.

Zur Verminderung von Lärmemissionen wurden über die Aggregate zusätzliche Schalldämmhauben montiert und eine zweistufige Abgasschalldämmung eingebaut.

Katalysatorkombination-beim-Einbringen

Als Projektmanager für diesen Auftrag war ich damals verantwortlich für den technischen Aufbau des BHKW, für die Einhaltung des Kostenbudgets und für die termingerechte Fertigstellung der Anlage. Die Herausforderungen, eine solch komplexe BHKW-Anlage aufzubauen, waren in der Tat groß. Unser Lieferumfang umfasste bis auf das Gebäude alle Gewerke des BHKW.

Dem entsprach auch der Auftragswert in Höhe von rund 20 Mio. DM – damals einer der größten für MWM. Nicht nur deswegen, sondern auch weil die Anlage am Standort unserer damaligen Konzernmutter, der Klöckner-Humbold-Deutz AG, errichtet wurde, wollte der KHD Vorstand über den Baufortschritt regelmäßig informiert werden.

Trotz umfangreicher Abstimmungen der Schnittstellen konnte die Anlage termingerecht in 1990 fertiggestellt werden. Es folgten diverse Testreihen, in denen die Leistungen der Motoren und die Einhaltung der Abgasemissionen sowie der Schallemissionen bei allen drei Betriebsarten im Klärgas-, Erdgas- und Dieselbetrieb im Realbetrieb erprobt wurden. Erfreuliches Ergebnis: Alle Vertragswerte wurden erfüllt. Tiefes Aufatmen meinerseits!

Aber vielleicht hatte ich mich ein wenig zu früh gefreut? Denn überraschenderweise kam es trotz alledem zu Beschwerden aus der Nachbarschaft über den angeblich zu hohen Lärmpegel der Anlage. Dies war aus technischer Sicht allerdings nicht nachvollziehbar, weil die durchgeführten Schallmessungen zu jeder Tageszeit die Einhaltung der vorgegebenen Schallwerte nachwiesen. Es wurden daraufhin Wiederholungsmessungen offiziell angekündigt, das BHKW wurde in dieser Zeit nicht betrieben. Die Beschwerden hielten trotzdem weiter an. Der Sachverhalt konnte aber letztendlich klargestellt werden. Der BHKW Betrieb führte tatsächlich nicht zu einer nachweislichen Erhöhung des Lärmpegels. Die Beschwerden verstummten dann auch, die Inbetriebnahme konnte abgeschlossen werden. Nicht nur ich, sondern auch unser Kunde, die Stadt Köln, und unser Vorstand waren am Ende zufrieden.

Eine nachträgliche Anerkennung: Den folgenden Geschäftsbericht der KHD AG zierte ein Foto der BHKW Anlage.

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Bildnachweis

Bild 1: Integriertes Energieversorgungskonzept
Bild 2: BHKW-Anlage vor Montage der Schallhauben
Bild 3: Katalysatorkombination beim Einbringen