100 JAHRE MARKE MWM

1990

Neckermann macht’s möglich!

Der Startschuss für das heute erfolgreiche MWM Bauprogramm in den 1990er Jahren

Ingrid Rosner
Ein besonderer MWM Moment von Prof. Dr.-Ing. Hubert Hitzinger

Wohl eine der schwersten Phasen in der Geschichte der MWM war die Übernahme durch Klöckner Humboldt Deutz. Und – wer hätte das gedacht: Ausgerechnet mit Neckermann kam Ordnung in das entstandene Chaos!
Und das kam so: Der KHD Vorstand war wiederum neu besetzt worden, überfällige Entscheidungen wurden endlich getroffen: Ab Anfang 1990 baute Deutz Kleinmotoren, MWM Mittel- und Großmotoren.
Deutz übernahm sofort die erfolgreichen MWM 226 Ackerschlepper-Motoren und verkaufte sie samt kompletter Fertigung nach China. Die Deutz Schlepper Konkurrenten und MWM Kunden Fendt, Renault, Steyr waren gar nicht erfreut. Aber dafür erhielt Mannheim alles, was bei KHD zum Mittel- und Groß-Motorenbau gehörte: 273 000 bewirtschaftete Sachnummern, verteilt auf 15 Baureihen wurden den Mannheimern übereignet. Wir hätten damals sogar den Kolben für Ottos ersten Motor liefern können. Wie sollte man damit fertig werden?

Meine Frau hatte seinerzeit einen Neckermann-Katalog nach Hause gebracht. Zum nächsten „Gipfeltreffen“ in Köln hatte ich diesen dabei und positionierte ihn, argwöhnisch beäugt, vor mir auf den Tisch. Als ich an der Reihe war: „Na Hitziger, erklären sie mal, was der Neckermann-Katalog da soll!“
„Der Neckermann enthält 96 000 Artikel – bei MWM sollen wir 273 000 bewirtschaften!“
Allen war sofort klar, dass das nicht geht! Was tun?

Von Deutz unabhängig hatte MWM ein gestrafftes Motorenprogramm erarbeitet, das ich nun vorstellen konnte: Die 616 (132×160) mit größerem Hubraum oberhalb der Nutzfahrzeug-Motoren als Ersatz für 232 und 234. Den 620 (170 x195) als Ersatz für 716, 816, 601, 602 und 604, den mit GE entwickelten 632 (250/260×320) als Ersatz für 528, 628, 441, 444 sowie den 645 (330×450) als Ersatz für 540, 640, 510, 512 – bis auf 645 alle als Diesel- und Gasmotoren. Die neue Motorenbezeichnung: „6“ als Kennung für Mannheim, dann – „alter Deutz Tradition“ folgend – der Hub in Zentimetern! Das gefiel! Noch bevor ich wieder in Mannheim eintraf, hatte der Betriebsrat bereits über seine Kanäle von der Freigabe dieses neuen Bauprogrammes erfahren! Und nun? An die Arbeit! In unglaublich kurzer Zeit wurde die Entwicklung dieser Motoren bei MWM realisiert! Aber nicht nur die Motoren: Realisiert wurden gleichzeitig auch alle Anwendungsfelder: Aggregate einschließlich Kraft-Wärme-Koppelung für Diesel- und Gasmotoren, gesteuert und überwacht erstmals mit dem im Haus entwickelten TEM: Total Electronic Management. Der 632 war zudem der erste Großmotor mit elektronisch gesteuerter Einspritzung.

Wie ist diese damals von allen Mitarbeitern erbrachte außerordentliche Leistung zu erklären? Ich glaube, allen MWM Mitarbeitern war bewusst geworden: Nur Wille und Mut nach vorne sichern das Überleben der nun Deutz-MWM genannten „Motorenfabrik an der Waldhofstraße“.

Natürlich blieben unter diesen Bedingungen Rückschläge nicht aus. Als ein schlauer Controller feststellte, dass in der Entwicklung Geld vergeudet wird, weil unterm Hitziger vieles zweimal gemacht wird, und ich, so befragt, meinte: manches sogar fünfmal – wurde auch ich aussortiert – so wie 15 MWM Vorstandskollegen unter der KHD Ägide vor mir.

Man kann schon mit Stolz auf diese unter schweren Bedingungen erbrachte Leistung aller damaligen MWM Ingenieure und Mitarbeiter zurückblicken! Eine Leistung, aus der das heutige erfolgreiche MWM Bauprogramm entwickelt werden konnte.

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