100 JAHRE MARKE MWM

1985

„Verdachtsfall“für das Controlling: Konstruktion ohne Kostenfaktor?

TBD 604 Bordaggregate für die Flottendienstboote der Bundesmarine

Bordaggregate-DieslemotorEin besonderer MWM Moment von Volker Präfke
1982 wurde ich Mitarbeiter bei der Motorenwerke Mannheim AG. Zuvor hatte ich bereits einige Jahre für ein Ingenieurbüro in Hamburg gearbeitet. Damals suchte die MWM einen Mitarbeiter im Bereich „Öffentliche Aufträge“. Ich bewarb mich – und wurde sofort eingestellt. Mein neuer Arbeitsplatz war im Hamburger Büro am Neuhöfer Damm.

Die Stadt an der Waterkant war ein guter Standort für das Geschäft. Denn von den Werften wurde in dieser Zeit das Projekt „Flottendienstboote“ der damaligen Bundesmarine bearbeitet. Die MWM bewarb sich mit zwei TBD 510 L8 als Hauptmotoren und schallgekapselten Bordaggregaten TBD 604 um diesen renommierten Auftrag. Natürlich schlief die Konkurrenz nicht: Namhafte Wettbewerber waren die KHD in Köln sowie die MTU in Friedrichshafen. Als die Bauwerft ausgewählt war, begannen die Verhandlungen mit der Flensburger Schiffbaugesellschaft FSG. Schon bald zeigte es sich, dass die drei geplanten Schiffe mit mittelschnelllaufenden Dieselmotoren angetrieben werden sollten – die MTU war damit aus dem Rennen. Die KHD hatte damals zwei SBV 16 M 628 Motoren angeboten. Hinsichtlich der Bordaggregate stand indes schnell fest, dass die MWM hier vorne lag. Die Motoren der Baureihe TBD 604 wurden also bei der Süddeutschen Bremsen AG in München gebaut. Der Vertrieb erfolgte über die MWM.

Nun ereignete es sich jedoch im Jahr 1985, dass die KHD die MWM übernahm. Die Situation führte dazu, dass die neuen Herren die Vertriebsaktivitäten zum TBD 510 L8 stoppten. Die Bordaggregate TBD 604 blieben aber weiterhin im Rennen. Letztlich erteilte uns die FSG den Auftrag für die Haupt- und Aggregatsmotoren.

Während der Auftragsabwicklung klingelte mein Telefon. „Kommen Sie bitte mal in die Zentrale. Es gibt Klärungsbedarf!“ Ich sollte nun zügig nach Mannheim kommen und dort über die Kalkulation der Bordaggregate Rechenschaft ablegen. Die SBV 16M 628 waren von KHD kalkuliert worden. Und das sorgte plötzlich für Irritation. Das KHD-Controlling eröffnete mir, dass man in meiner Kalkulation überhaupt keine Konstruktionskosten finden könne und wo ich diese in der Gesamtkalkulation, bitte schön, untergebracht hätte. Die Frage war an sich berechtigt: Denn der Konstruktionsaufwand für diese speziellen Bordaggregate war beträchtlich, es gab aber keinen Kostenfaktor hierfür. In Erklärungsnot geriet ich dennoch nicht. Das Glück war auf meiner Seite. Wie das? Zum Zeitpunkt der Angebotsabgabe gehörte die MWM noch nicht zu KHD, der Angebotspreis war uns aber von der Süddeutschen Bremsen AG in München vorgegeben worden. Die dort im Auftragsfall angefallenen Konstruktionskosten waren in München gemäß einer besonderen Vereinbarung bereits verbucht worden. Also alles Paletti. Die Controller waren lange Zeit nicht meine Freunde, konnten mir aber kein teures Versäumnis vorwerfen.

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Quellen

Bild: Schallgekapselte Bordaggregate mit MWM Dieselmotor TBD 604 L6 und Beton-Zwischenfundament, Volker Präfke